Der Global Justice Report versucht, eine neue Vision für den globalen Fortschritt im 21. Jahrhundert zu entwickeln: eine Vision, die menschliche Entwicklung und Gleichheit auf der Bewohnbarkeit des Planeten gründet. Er untersucht die Bedingungen, unter denen sich die Welt diesem Ziel annähern könnte, und entwirft einen wirtschaftlich und ökologisch konsis-tenten Transformationspfad für den Zeitraum von 2026 bis 2100.
Die zentrale Schlussfolgerung ist einfach: Es ist möglich, die Bewohnbarkeit des Planeten mit hohem Wohlstand für alle Menschen zu vereinbaren – aber nur, wenn die Transformati-on gleichzeitig auf drei Säulen beruht. Eine schnelle Dekarbonisierung der Energiesysteme ist notwendig. Darüber hinaus braucht es jedoch einen grundlegenden Wandel hin zu Suffizienz – verstanden als eine deutliche Verringerung der Arbeitszeit und des materiellen Fußabdrucks sowie tiefgreifende Veränderungen von Konsummustern, Ernährungsgewohnheiten, Landnutzung und Waldbedeckung. Zudem können weder Dekarbonisierung noch Suffizienz finanziert und politisch dauerhaft getragen werden, ohne eine drastische Verringerung der Ungleichheit bei Einkommen, Vermögen und Macht – sowohl zwischen Ländern als auch innerhalb von Ländern. Die Verringerung globaler Ungleichheit ist nicht nur mit einer tief-greifenden Dekarbonisierung vereinbar; sie ist eine notwendige Voraussetzung für gemein-samen Wohlstand auf einem endlichen Planeten.
Der Global Justice Report ist der erste Versuch, einen vollständig quantifizierten Plan in diese Richtung vorzulegen. Er verbindet vier Dimensionen, die in heutigen Debatten häufig getrennt behandelt werden: Umverteilung auf Weltebene, eine tiefgreifende Reform der internationalen Finanz- und Wirtschaftsordnung, eine radikale Transformation der Energiesysteme sowie substanzielle Veränderungen von Konsummustern. Im Vergleich zu den meisten Klimaszenarien, einschließlich jener des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), besteht die wichtigste Neuerung darin, dass alle vier Dimensionen gemeinsam modelliert werden und Ungleichheit sowie Suffizienz im Zentrum der Analyse stehen.